Rückblick zum Fach-Symposium am 25. September 2021 | "Was können und was dürfen Physician Assistants?"

Was können und was dürfen Physician Assistants – kurz „PAs“? Um diese Fragen drehte sich das gemeinsame Fach-Symposium des Europäischen Physician Assistant Verbandes EuroPA-C und der Internationalen Studien- und Berufsakademie ISBA am 25. September 2021 in Heidelberg.

EuroPA-C-Präsident Prof. Dr. med. Marcus Hoffmann eröffnete die Vortragsreihe mit einem Überblick. Während der PA in den USA seit 60 Jahren erfolgreich arbeitet und mittlerweile zu den beliebtesten Berufen dort zählt, er in den angelsächsischen Ländern und den Niederlanden nicht mehr wegzudenken ist, fasst dieses qualifizierte Berufsbild in Deutschland erst langsam Fuß. „Langsam, aber sicher“, so Prof. Hoffmann. Denn: die Studierendenzahl hat sich in den letzten 4 Jahren verdreifacht, immer mehr Bildungsträger bieten diesen Studiengang an. „Es kann jedoch nur ein berufsbegleitendes Studium sein, kein grundständiges“, erklärte Hoffmann: “So, wie die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung es in ihrem Positionspapier dargestellt haben.“

„Die Akademisierung der medizinischen Fachberufe ergibt viel Sinn, jedoch nicht in dieser Diversifizierung von 400 Bezeichnungen in Deutschland“, führte Prof. Hoffmann weiter aus. „Der Physician Assistant konzentriert die Kompetenz vieler medizinischer Fachberufe und, was das Wichtigste ist, er hält die medizinische Kompetenz am Krankenbett, am Patienten, da wo er benötigt wird.“  


Der Physician Assistant ist der zukünftige Medizinberuf, da ist sich Professor Hoffman zusammen mit mehreren Landesärztekammerpräsidenten sicher. „Er wird helfen, die komplexen Herausforderungen an unser Gesundheitssystem zu meistern.“

Da kommt unwillkürlich die Frage auf, was kann der Physician Assistant, bzw. was muss er können?

Dies beantwortete Prof. Dr. med. Herbert Zeuner, erfahrener Facharzt für Kopf-Hals-Chirurgie, ehemaliger Ärztekammerpräsident und noch Mitglied des Deutschen Ärztetages der Bundesärztekammer, Studiengangleiter im Studienfach Physician Assistant an der ISBA Heidelberg, in einem engagierten Vortrag.

Im Vordergrund steht stets die Patientensicherheit“, eröffnete Professor Zeuner seinen Vortrag. „Daher muss der Delegationsberuf Physician Assistant hoch qualitativ ausgebildet sein, in den klinisch, praktischen Fachgebieten, unter Einbeziehung der hausärztlichen und psychiatrischen Versorgung. Er muss in der Lage sein, bei Operationen zu assistieren, kleine Eingriffe selbst durchzuführen, er muss Blutbilder, EKGs, Spirometrien, Röntgen-, Sonographiebilder lesen können, um hier auch selbst diagnostisch tätig zu werden. Er wird wissenschaftlich ausgebildet, das heißt, er weiß was er tut und kann daher bei veränderten Bedingungen auch medizinisch flexibel handeln.“

Der Physician Assistant werde weiterhin ausgebildet im Schrifttum, Pharmakologie, Hygiene, BWL-Grundlagen, Controlling, Public Health. Prof. Zeuner lässt seine PA-Studierenden daher schon früh selbständig kleine Eingriffe am Menschen durchführen, freiwillige Probanden, unter fachärztlicher Aufsicht. Die Studierenden üben praktisch in Notfallzentren am Phantom, hospitieren bei Notfalleinsätzen, arbeiten in Notfallambulanzen, praktizieren in vielen medizinischen Einrichtungen.

„Ein Physician Assistant muss sofort nach seinem Studium auf den Stationen, in den Praxen, in öffentlichen Gesundheitszentren, in den Bundeswehrkrankenhäusern voll umfänglich eingesetzt werden können, das ist das Ziel, das sich jede auszubildende Hochschule setzen muss. Ein hoher Anspruch“, so Prof. Zeuner.

Daher arbeitet er an der ISBA ausschließlich mit fachärztlichen Dozenten*innen, Chef-Oberärzten*innen, mit kompetenten niedergelassenen fachärztlichen Kollegen*innen, mit einem wissenschaftlichen Beirat, dem auch die Landesärztekammer angehört.

 

Dass das didaktische, menschliche, professionelle Konzept an der ISBA stimmig ist, war am stehenden Applaus erkennbar, mit den die aktuell Studierenden diesen Vortrag würdigten.

Aber, so fragt selbstkritisch der Präsident des Europäischen Physician Assistant Verbandes, es gälte sicherzustellen, dass dies auch in einem rechtlich korrekten Rahmen geschähe.

Hierzu nahm der Medizinrechtler Dr. Peter Hüttl aus München Stellung.

„Es sind nicht die Juristen*innen, es ist die Ärzteschaft, die die Delegationsmöglichkeiten einschränken.“ Der Bundesgerichtshof habe höchst richterlich festgestellt, dass Delegation im breiten Umfang möglich ist, wenn ein Facharzt oder eine Fachärztin sich davon überzeugt habe, dass die Kenntnisse zur Erfüllung der delegierten Aufgabe bestünden. „Je höher die Qualifikation, desto höher die Rechtssicherheit.“  Es werde viel zu wenig delegiert, habe die Kassenärztliche Vereinigung festgestellt. „Bilden Sie Ihre Physicaian Assistants gut aus und Sie haben wenig Probleme“, gab Dr. Hüttl den Anwesenden als juristischen Stimulus mit auf den Weg.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion berichtete eine Studierende der ISBA begeistert über ihre Wahl, da sei ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, deshalb setze sie ihre ganze Energie in einen erfolgreichen Abschluss. Prof. Herrmann, Landeärztekammerpräsident von Schleswig-Holstein, betonte die Notwendigkeit dieses in Deutschland neuen Berufsbildes. Ohne den PA sei eine flächendeckende Versorgung in Zukunft nicht mehr denkbar. Dies wurde auch von Herrn Stefan Richter, kaufmännischer Direktor eines großen Klinikums in Bayern betont. „Um gute Fachkräfte zu haben, müssen wir diese entweder selbst ausbilden oder teuer einkaufen. Wir bilden aus und haben mit Physician Assistants nur die besten Erfahrungen gemacht.  Nachdem erst ein Chefarzt unserer Klinik einen PA „bekam“, wollten peu à peu die anderen auch“.

Ein großes Plus ist, dass der PA so viel Arbeit abnehmen kann, um dann wesentlich mehr Zeit zu haben, unsere jungen Ärztinnen und Ärzte gut auszubilden. „Das ist ein weiterer Vorteil, denn die Universitätsabsolventen können sich heute die Kliniken aussuchen und eine gute Ausbildung ist bei der Wahl ein wesentliches Kriterium.“

Die anschließende Diskussion mit dem Auditorium, den anwesenden Experten*innen, zeigte eindeutig auf, dass unsere Gesellschaft diese Qualifikation dringend benötigt, um Anreize für eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf zu schaffen und um die hochwertige heutige medizinische Versorgung weiter aufrecht zu erhalten.

„Am PA geht nichts vorbei“, so der Landesärztekammerpräsident Professor Herrmann, was als Schlusssatz dieses Symposiums angesehen werden kann.


Das Physician Assistant Studium an der ISBA

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